Fachinformationsfahrt 2017 - „Effizientes Herdenmanagement auf Großbetrieben - Betriebsbeispiele aus Sachsen und Thüringen“

Besuch bei der agra in Leipzig

Vor dem Hintergrund zunehmend schwankender Milchauszahlungspreise, steigender Betriebskosten sowie wachsender politischer und gesellschaftlicher Anforderungen, ist es heutzutage wichtiger denn je, wettbewerbsfähige Strukturen auf dem eigenen Betrieb zu schaffen. Nur optimal betreute Milchkühe können hohe Lebensleistungen erzielen und somit wirtschaftlich sein. Ein optimiertes Herdenmanagement zählt hier zu einem der entscheidenden Erfolgsfaktoren. Während im Westen Deutschlands diese Aufgabe häufig vom Betriebseigentümer auf dem Familienbetrieb übernommen wird, ähneln die Strukturen in Ostdeutschland viel mehr den Chinesischen Gegebenheiten und waren damit optimal geeignet für die Fachinformationsfahrt 2017 im Rahmen des „Deutsch-Chinesischen Kooperationsprojektes zur Weiterentwicklung der Tierzucht in China“.

Ziel der diesjährigen Fachinformationsfahrt (FIF) in der Projektkomponente Rind war es, den Erfahrungsaustausch zwischen chinesischen und deutschen Herdenmanagern und Fachkräften anzuregen und den Dialog zu fördern. Das Programm folgte dabei den Vorstellungen - Informieren und Diskutieren anhand von Betriebsbeispielen zu Strukturen und Herangehensweisen – und Demonstrieren von Technischen Innovationen und Neuheiten in Deutschland. Es nahmen 10 leitende Angestellte sowohl von Projektdemobetrieben als auch von Betrieben aus deren Umfeld aus den Regionen Heilongjiang, Xinjiang, Hebei und Innerer Mongolei teil. Ein intensiver Fachaustausch fand insbesondere zu den Themen Milchviehzucht, Fütterungsmanagement und Fütterungstechnik, moderne Stallbaukonzepte, Melktechnik und Automatisierung sowie Arbeitsorganisation, Mitarbeiterführung und Betriebswirtschaft statt. Betont wurde insgesamt die Wichtigkeit des Herdenmanagements, um hohe Leistungen mit gesunden Kühen zu erzielen. Oft sind auf chinesischen Betrieben technische und genetische Voraussetzungen bereits gegeben, um eine moderne Milchviehhaltung zu betreiben jedoch führen häufig unsachgemäße Managemententscheidungen auf den Betrieben zu geringeren Milchleistungen und einer höheren Krankheitsanfälligkeit der Tiere.

Auftakt der FIF war am Samstag, 06.05.2017, mit dem Besuch der agra – Fachmesse für Landwirtschaft in Mitteldeutschland. Hier wurde die Gruppe von V. Meins, Masterrind in Empfang genommen, der eine Einführung in die landwirtschaftliche Struktur, Rinderhaltung und -zucht in Deutschland, insbesondere in den FIF-Regionen Sachsen und Thüringen gab. Am Nachmittag hatten alle Teilnehmer Zeit, sich selbstständig auf der Messe über Neuheiten zu informieren. Besonderes Interesse weckten hier z.B. Melktechnik, Ausbringtechnik für Gülle und Festmist sowie Fütterungstechnik im Außengelände.

Nach einem Freizeittag in Weimar am Sonntag, wurde das Fachprogramm unterstützt von U. Branding, GGI am Montag, 08.05.2017 im Raum Erfurt weitergeführt. Am Vormittag besuchte die Gruppe das Labor des Thüringer Verbandes für Leistungs- und Qualitätsprüfung in der Tierzucht e.V. sowie den Landesverband Thüringer Rinderzüchter. Die Gruppe interessierte sich für den Datenfluss in der Milchproduktion in Deutschland und erfasste Daten zur Zuchtwertschätzung. Großes Interesse zeigten die Teilnehmer an der in Deutschland weit fortgeschrittenen Zucht auf Hornlosigkeit. Am Nachmittag wurde der Milchviehbetrieb LAPROMA in Schloßvippach besucht, welcher als erster in Deutschland mit einem vollautomatischen Melkkarussell der Firma DeLaval in 2013 begonnen hat zu melken. Das automatische Melken wird voraussichtlich auch in China angesichts fehlender Arbeitskräfte in den Betrieben an Bedeutung gewinnen.

Am Dienstag, 09.05.2017 begann der Tag gemeinsam mit P. Baumgärtel, Bayern Genetik und Dr. J. Aumann, BVN bei der Ervema agrar Gesellschaft in Clodra. Der Betriebsleiter Herr Köber führte über die 2011 neu errichtete Stallanlage und berichtete über seine Erfahrungen mit der Fleckviehkreuzungszucht. Wichtig waren für die Teilnehmer auch die Überlegungen zur ganzheitlichen Betrachtung eines Betriebes und der Nährstoffflüsse innerhalb des Betriebes. Auch wurde über den Einfluss der Konsumentenmeinung auf Haltungsbedingungen diskutiert. Beispielsweise ermöglicht Herr Köber einem Teil der Herde Weidegang und hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch die Wichtigkeit eines fürsorglichen Umgangs des Menschen mit Tieren, konnte herausgestellt werden. Hieraus ergeben sich neue Diskussionsgrundlagen für die Teilnehmer aus China. Am Nachmittag wurde der Betrieb Agrarunternehmen Barnstädt eG besucht, eines der größten Agrarunternehmen Deutschlands, welches gerade ein Joint Venture mit einem chinesischen Betrieb gegründet hat. Auch hier waren besonders von Interesse die ganzheitliche Unternehmensausrichtung sowie im Speziellen die Silobereitung und Erfahrungen mit Melkrobotern.

Am Mittwoch, 10.05.2017 widmete sich die Gruppe, unterstützt von Mitarbeitern der BvL Group, einen ganzen Tag lang dem Thema Fütterung und Fütterungstechnik. Dazu wurden die Betriebe Wöllmisse in Stadtroda und Agrofarm Herwigsdorf besucht. Neben der Demonstration von Futtermischwagen wurden intensiv die Futterrationen besprochen. In Herwigsdorf unterstütze dazu fachmännisch der Futtermittelberater des Betriebes.

Am Donnerstag, 11.05.2017 besuchte die Gruppe gemeinsam mit M. Herdt und A. Stoffers von Michael Herdt – Ingenieure die Radiborer Agrar GmbH, eine von M. Herdt geplante hoch moderne Milchviehanlage mit insgesamt 17 Melkrobotern der Firma DeLaval. Die Herdenmanagerin des Betriebes führte über die Anlage mit ca. 1200 melkenden Kühen. Wie bereits am Montag in Schloss Vippach, stand der Bau von Anlagen mit automatischen Melksystemen im Mittelpunkt. Vor- und Nachteile beider Systeme konnten mit dem Wirtschaftspartner diskutiert werden. Neben den Informationen zu Technik und Stallkonstruktion war es für die Gruppe auch interessant die Abläufe bei der gerade stattfindenden Grassilagebereitung im Fahrsilo zu beobachten.

Am Freitag, 12.05.2017, wurde am Vormittag der Milchhof Diera in Diera-Zehren besucht, ein Milchviehbetrieb mit ca. 1500 Holstein-Friesian Kühen in Reinzucht sowie 100 Jersey Kühen. Der Betrieb verfügt außerdem über eine Milchtankstelle zur Direktvermarktung insbesondere der wohlschmeckenden Jersey-Milch, die in der Region sehr gut angenommen wird. Abschluss der Fachinformationsfahrt bildete am Nachmittag der Besuch auf dem Lehr- und Versuchsgut Köllitsch. Der Leiter Herr Kunze sowie der Bereichsleiter Rinderzucht Herr Naumann und die Leiterin des Referats 75: Tierhaltung, Tierfütterung des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Dr. Ilka Steinhöfel nahmen sich Zeit, um aktuelle Versuche vorzustellen, über das Ausbildungssystem zum Tierwirt in Deutschland aufzuklären und Fragen der Teilnehmer zu beantworten.
Alle Teilnehmer äußerten Ihre große Zufriedenheit mit der Fachinformationsfahrt sowohl inhaltlich als auch bezüglich der Organisation. Das Team des Kooperationsprojektes in Deutschland und China bedankt sich recht herzlich bei allen Wirtschaftspartnern und Betriebsleitern für die große Unterstützung bei der Organisation und Durchführung der Programmpunkte.

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